Homepage von Dobi Tilac und CC Tinkerbell
" Die Geschichte eines Tierheim-Hundes "

Wie schon gesagt, es war ein Sonntag, als Tilac bei mir einzog. Er hatte also den ganzen Nachmittag Zeit alles in seinem neuen Heim zu inspizieren.
Am Montag Morgen ging es dann gleich in den Wald, es war ein kurzer Spaziergang, denn Tilac hatte überhaupt keine Kondition und nicht nur das, er war ein richtig "schmales Hemd". Er war 70 cm groß und wog grad mal 36 kg. Nach einer knappen halben Stunde waren wir schon wieder zu hause und Tilac hat erstmal geschlafen.
Am Nachmittag sind wir dann gleich zum Hundeplatz gefahren und haben diesen inspiziert. Dort angekommen, hat Tilac seinem "Steckbrief" vom Tierheim alle Ehre gemacht - alles und jeder wurde angepöbelt. Ich hatte alle Händevoll zu tun, ihn zu halten, denn dafür mobilisierte er alle Kraft, die er hatte. Am Dienstag und Samstag waren wir dann wieder da. Leider war dann Sommerpause und es ging erst wieder im August weiter.
Also gingen wir in den folgenden Wochen im Wald spazieren und übten "Leinenführigkeit". Was sich aber auch nicht so leicht gestaltete, denn Tilac war ein "Rüpel vor dem Herrn", der immer vorne weg wollte und auch im Wald vor allem andere Hunde anpöbelte. Alles was dieser Hund konnte, war, an der Leine ziehen, die Bürste aufstellen, wenn einer entgegen kam und die Zähne blitzen lassen, wenn ihm einer nicht passte.
Ich habe schnell gemerkt, das ich alles, was ich mit Angel auf dem Hundeplatz gelernt habe und auch so an Erfahrung von den anderen Hunden hatte, vergessen konnte. Denn Tilac war alles andere als ein ruhiger ausgeglichener Haus-und Hofhund oder eine kleine sensible Dobermann-Hündin.
Er war ein 13 Monate alter - nicht sozialisierter - Rüde, der eine unwahrscheinliche Kraft entwickelte um sich durchzusetzen und der alles in Frage stellte.
Nun ging es endlich auf dem Hundeplatz mit dem Training wieder los und ich bekam endlich kompetente Hilfe.
Trotzdem machten viele einen Bogen um uns oder "flüchteten" vom Platz, wenn wir kamen, denn Tilac hatte oftmals mehr Kraft als ich und hat mich auch ein paar Mal umgerissen. Dazu kam, das Tilac und ich immer noch nicht zusammen gehörten.
Aber ich wollte und konnte nicht Aufgeben, auch wenn ich es manchmal gerne getan hätte.
Zu hause war er aber ruhig und unauffällig, was mir zu denken gab und sich dann ja auch schnell ändern sollte.
Auf dem Hundeplatz machten wir Fortschritte und ich kam in die Gruppe, die im Frühjahr 2008 die "Begleithundeprüfung" ablegen sollte.
Wir haben hart gearbeitet, aber es gab immer wieder Rückschläge, denn Tilac wurde auch körperlich immer kräftiger.
Dann kam der Tag, an dem ich ihn in die Klinik bringen mußte und er operiert wurde.
Ein Tag, der vieles veränderte.
Tilac hatte nach der OP fast 9 kg Gewicht verloren, wog nur noch knapp 27 kg und hatte noch weniger Muskeln als vorher.
Trotzdem bin ich mit ihm zum Hundeplatz gefahren und habe - wenn auch nur kurz - mit ihm trainiert.
Zu haus war er auf einmal sehr anhänglich und suchte noch mehr meine Nähe - was mir später noch Leid tun sollte, denn ich hab ihm zu viel durchgehen lassen.

Im Februar 2008 hat es dann auf einmal "Klick gemacht" und Tilac war endlich zu hause angekommen.
Durch den krankheitsbedingten Trainingsrückstand nahmen wir dann doch nicht an der Prüfung im Mai 2008 teil, sondern arbeiteten weiter fleißig an der Unterordnung. Ich kam in eine neue Gruppe und wir mußten uns wieder an neue Hunde gewöhnen. Jede Trainingsstunde begann wieder mit gepöbel und kam uns einer zu nah, wurde auch gepöbelt. Einige meinten der Hund wäre aggressiv und andere sagten, das er nur ein Macho ist, der sich lieber Aufspielt und nach vorne geht, weil er unsicher ist.
Ich war wieder an einem Punkt, wo ich mir die Frage stellte, ob das alles so sein soll und warum ich mir das überhaupt antue. Dazu kam auch noch, das Tilac ja so langsam erwachsen wurde und er sich nun auch für Hündinnen interessierte und Rüden direkt heraus forderte, was dann auch wieder die Spaziergänge schwieriger machte. Es wurde jetzt nicht mehr nur gepöbelt, sondern Tilac ging, wenn ich nicht schnell genug reagierte, auch nach vorne los.
Anfang 2009 hatte ich dann einen Termin für die Kastration, den ich aber zwei Tage vorher känzelte. Ich hatte viel nachgedacht und mir ist klar geworden, das ich mich ändern muß und warum sollte ich dann einen intakten Rüden - zwar immer noch mit schlechtem Sozialverhalten, aber normalem Rüdenverhalten - kastrieren lassen.
Ich versuchte anders mit verschiedenen Situationen umzugehen und es klappte - wir machten wieder Fortschritte.
Im Mai 2009 legten wir dann die "Gebrauchshundeprüfung" ab und begannen kurz danach im VPG.
Endlich neue Aufgaben, ich mußte noch konsequenter in der Unterordnung werden, Tilac konnte sich im Schutzdienst richtig auspowern und wir beide mußten uns in der Fährte richtig konzentrieren. Viele waren skeptisch, aber Tilac hat allen das Gegenteil bewiesen.
Auf dem Hundeplatz lernte ich dann Nicole und ihre Hündinnen "Gina und Ajuna" kennen und wir gehen seitdem regelmäßig gassi.
Tilac war - wie schon gesagt - mittlerweile an Hündinnen sehr interessiert, was Gina aber gar nicht gefiel. Tilac übersah oftmals die kleinen Gesten von Gina und hat dadurch mehrmals von ihr "Prügel bezogen". Manchesmal werte er sich und es gab lautstarke Auseinandersetzungen. Wir sind nach einer Weile nicht mehr dazwischen gegangen, sondern haben die beiden ignoriert, denn es war ja nie eine richtige Beißerei. Nach einiger Zeit entspannte sich das Verhältnis zwischen den beiden.

Wir haben bis Ende 2009 im VPG gearbeitet, dann kam der Winter, der bis in den März 2010 ging. Nach dem Winter kamen die anderen Beiden - die vorher auch VPG machten - nicht wieder und irgendwie war dann gar kein Training mehr.
Ich arbeitete wieder alleine mit Tilac und ließ dabei die Konsequenz in der Unterordnung ganz schön schleifen.
Im Mai 2010 kam ein neuer Helfer auf dem Platz und es gründete sich eine neue VPG-Gruppe.
Mit Björn kamen auch seine Beiden Hunde "Fancy und Sam" auf den Platz.
Durch Sam lernte Tilac auch wieder neu dazu, denn da stand auf einmal ein Rüde, dem es völlig egal war, wie doll Tilac ihn anpöbelte.
So entstand ein neues, kleines Rudel, zudem auch "Franka" gehört. Ich konnte Tilac auf einmal frei mit vier Hündinnen und einem anderen Rüden laufen und toben lassen.

Was sein Verhalten anderen Hunden gegenüber anging, war er mit vier Jahren endlich erwachsen geworden.
Die Arbeit auf dem Hundeplatz machte mir jetzt richtig Spaß, auch wenn die um einiges "härter" geworden ist. Tilac arbeitete auch immer freudiger mit und wir wurden immer besser.
Im Herbst 2010 hat Tilac mich dann noch einmal heraus gefordert, aber diese "kleine Revolution" habe ich gleich im Keim erstickt.
Seit dem ist Tilac völlig "sorgenfrei" und genießt sein Leben in vollen Zügen.
Er ist ein richtiger "Kindskopf", ein Kasper, manchmal auch eine Nervensäge und hat nur Flausen im Kopf.
Manchmal sehe ich ihn an und kann es selbst kaum glauben, das er Juni schon fünf Jahre alt wird.
Es war ein langer und steiniger Weg bis heute.


Es gibt so viele Hunde, die im Tierheim leben und einfach keine Chance bekommen und leider gibt es auch zu wenig Menschen, die an solche Hunde glauben und bereit sind dafür harte Arbeit - auch an sich selbst - und Zeit zu investieren.
Irgendwann zahlt es sich aber aus und man hat einen Freund für´s Leben.

Tilac , Du bist nicht nur mein "Schiedder", "Burschi" - mein " Großer" ,
nein, Du bist für mich der Größte !

Ich bin glücklich einen so tollen Hund an meiner Seite zu haben !

Mein "Rosenkavalier" an meinem Geburtstag 2009